Das IBA-Quartiersexperiment als subversives Erbe!

Die Patchwork Familie ist ein Manifest der Inklusion, gelebt durch den Auftritt der Patchwork Familie, einer Gruppe von Häusern, deren Charakter und Talent sich den Genen ihrer Vorfahr*innen verdankt: den visionären Horizonten der berühmten, 1927 geborenen Großeltern, und der disziplinierten Bescheidenheit der 1951 geborenen Eltern, die sich in Reih und Glied aufgestellt haben, um den Wohnungssuchenden ein Dach über ihren Köpfen zu geben. Dass sie dabei jedem einzelnen Raum, selbst der Küche und dem Bad Licht, Luft und Sonne schenken, haben ihnen ihre berühmten Eltern aus Weißenhof beigebracht. Das Manifest der Inklusion ist ein Manifest der 3. Generation: die Patchwork Familie schreibt die Familiengeschichte konsequent fort. Dazu gehört auch das adoleszente Aufbegehren gegenüber ihren Eltern und Großeltern – eine unumstößliche Bedingung für die Entwicklung von Räumen, die in der Lage sind, inspirierende Antworten auf die neuen Herausforderungen der Zeit zu geben.

Die barrierefreie Quartiersdiagonale

Im Vordergrund die „Scheune“ mit Gartengeräteausstattung für das Quartier, daneben die Freiräume des Kindergartens (Freiraumbucht unten, Atrium oben), rechts gegenüber die Fahrradwerkstatt, zentral im Hintergrund das Quartierscafè, dahinter das Quartiersplateau, das zur Schozacher Straße überleitet.

Das As-Found-Archipel

Landen zwischen den Bauminseln: In den letzten 7 Jahrzehnten sind die Bestandsbäume den elterlichen Häusern über den Kopf gewachsen. Sie werden zu einem Archipel aus Bauminseln mit üppiger Vegetation zusammengefasst. Die Patchwork Familie wird daher – trotz Sturm und Drang – den Platz ihrer Eltern einnehmen. Denn wo die Eltern stehen, ist kein Baum gewachsen.

DER ALLTAGSAUFTRITT DER PATCHWORK FAMILIE

Alles unter einem Dach: Synergie von Typus, Bauweise und Konstruktion: Die Kombination von Holzelement- und Beton-Skelettbau vereint nachhaltige Bauweise mit langfristiger Anpassbarkeit, atmosphärischer Qualität (Holzoberflächen) und entsprechender Wirtschaftlichkeit durch den hohen Grad an Vorfertigung. Serielle Fertigbäder formulieren Fixpunkte innerhalb einer offenen Struktur mit maximierten Spielräumen der Aneignung (teilen, koppeln, offenlassen). Im Vorfeld der Vergabe können die Bauträger nicht nur unterschiedliche Wohnschlüssel, sondern auch unterschiedliche Wohnmodelle anbieten.

200% BRUTTOGRUNDFLÄCHE VERDICHTEN = ANDERS PERFORMEN

Der Quantensprung der Sieben (R)evolutionen: Die Patchwork Familie hat für die Verdoppelung der Wohnfläche zu sorgen. Anstatt Speck anzulegen zieht sie es vor, das Mehr an Masse in typologische Intelligenz zu verwandeln. Jedes einzelne Haus der elterlichen Zeilenbauten verwandelt sich anhand spezifischer Transformationen – Teilen, Wachsen, Abheben, Doppeln, Vermehren, Koppeln und Kombinieren – in eine singuläre Konfiguration, zusammengesetzt aus Punkt-Band- und Riegelelementen: sieben (R)evolutionen, offen für unterschiedlichste Lebensmodelle, maßgeschneidert für den Ort, komplementäre Bausteine für ein inklusives Quartier. Die Vermehrung der Baumasse wird zur Spielmasse für einen performativen Quantensprung – eine Hommage an die Ambitionen der Großeltern des Weißenhofs.

ANDERS PERFORMEN = BESSER LANDEN

Häuser als Bausteine des Quartiers: Die Landung der Typen im Erdgeschoss ist komplementärer Bestandteil der topografischen Reparatur. Die Landung jedes einzelnen Bausteins übernimmt topografisch, räumlich und programmatisch eine spezielle Aufgabe und macht die Gebäude zu proaktiven Teamplayern des Quartiers.

Blicke und Winde

Die Vorzüge der Querbürstung: Die topografische Reparatur ermöglicht das Offenhalten des Nordrands, ein kostbares Erbe der quergebürsteten Elterngeneration, das in der Aufstellung der Patchwork Familie ablesbar bleibt: die Silhouette des Feuerbachtals bleibt sichtbar, die notwendige Fallwinddurchlüftung nach Norden wird sichergestellt und durch das aufgeständerte Brückenhaus an der Schozacher Straße weiter verstärkt. Die Querbürstung gibt zudem den Südblick auf Romeo und Julia, den Technoturm und die Bad Cannstatter Toscana mit dem Burgholzhofturm frei, nicht nur für die erste Reihe an der Fleiner Straße.

Das nordwestliche Quartiersentrée

Links die Grünkulisse des ErdEgeschosses am Rotweg, rechts urbane Sockelnutzungen an der Schozacher Straße: die „Halle Rot“ als 24/7-bespielbarer Arbeitsraum mit integrierten Freizeitnutzungen (zB Coworking-Boulder-Bar), anschließend das Quartiersplateau unter dem Brückenhaus als regengeschützter Freiraum, ganz rechts an der Südwestecke das zweigeschossige Büro der Wohnbaugenossenschaft.



Lage: Am Rotweg 50, 70437 Stuttgart, Deutschland Projektformat: Nichtoffener städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit Hochbauteil in Stuttgart-Rot mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren Projektstatus: 2. Preis Grösse: 20.201 m2 BGF: > 36.737 m2 Planungszeitraum: 2021 –2021 Auftraggeber: Ausloberinnen: Baugenossenschaft Zuffenhausen eG; Neues Heim - Die Baugenossenschaft eG Fachplanner/innen: rajek barosch Landschaftsarchitektur/ Jung Ingenieure Mitarbeiter/innen: Dietmar Hahn; Wettbewerb: Mariam Al Gorgi, Livia Dirnböck, Paula Fernández, Ivana Gavranovic, Jan Klinkhammer, Nina Cosmea Mayerhofer, Xabier Montilla Suarez, Martin Wild