Wie kann aus der Entwicklung der Wohntypologie selbst die Substanz der städtebaulichen Setzung hervorgehen?

  Der Wettbewerb wurde im Rahmen des experimentellen Modellvorhabens des Bayerischen Regierung „effizient bauen - leistbar wohnen - mehr bezahlbare Wohnungen für Bayern" ausgeschrieben. Auf dem Grundstück am Rand von Neu-Ulm sollen 70 Wohnungen in zwei Bauabschnitten errichtet werden, davon ca. jeweils die Hälfte gefördert und freifinanziert. Der  Städtebau und die bereits realisierte erste Bauphase definieren die Rahmenbedingungen weitgehend, innerhalb des Baufelds öffnen sich jedoch Spielräume, die eine Neu-Interpretation des Umfelds erlaubt.


Das Projekt versteht sich als Beitrag zum vernetzten Wohn-Patchwork, das den durchgrünten Süden Neu-Ulms prägt. Die einzelnen Bauabschnitte werden zu einer Gruppe von 3 „Mitspielern“ zusammengefasst, die untereinander verwandte Elemente und Motive variieren. Durch die spezielle Aufstellung von Modulen entsteht eine attraktive Abfolge von nach Norden und Süden gleichermaßen kommunizierenden Freiräumen mit spezifischen Qualitäten.

IM PATCHWORK

Die Bebauung fügt sich als eigenständige Struktur in die Umgebung ein, die zwischen den unterschiedlichen Maßstäben vermittelt.

NEUAUFSTELLUNG

Der Riegeltyp wird durch Drehen und Versetzen von Wohnmodulen aufgelöst.

MEHRFACHORIENTIERUNG = RAUMBILDUNG

Die Anordnung der Wohnungen folgt der Prämisse der Mehrfachorientierung. Alle Wohnungen sind entweder durchgesteckt oder über Eck orientiert.

GEMEINSCHAFTLICHES HERZ AM GARTENSTREIFEN

Der zentrale Gemeinschaftsbereich zwischen den beiden Treppenhäusern besteht aus Indoor- und Outdoor-Elementen: überdeckte Kinderspielplätze, Waschküche, großer Gartensalon mit Gemeinschaftsgarten und Platz im Norden. Platz, großer Gartenstreifen und Park bilden die zentralen Freibereiche für nachbarschaftliche Aktivitäten.

EINBETTUNG

Durch das Freistellen der Wohnungen passt sich die neue Struktur dem Maßstab der Umgebung an und vermittelt zwischen den Richtungen.

GRUNDRISS EG

Das offene Erdgeschoß der beiden Nord-Süd-gerichteten Module bietet überdachte Fahrradabstellplätze, ermöglicht großzügige Durchblicke und einen attraktiven Zugang zum Haus, sowohl von Norden als auch von Süden.

GRUNDRISS OG

Die kreuzförmige Anordnung der Module schafft 100% mehrfachorientierte Wohnungen, teilweise sogar mit 3 Orientierungen. Auf diese Weise können Küchen und ein Anteil der Badezimmer natürlich belichtet werden.

KOLLEKTIV UND PRIVAT

Die Split-Level Anordnung der Treppenhäuser (Durchlader-Aufzug ermöglicht Barrierefreiheit) schafft eine differenzierte Erdgeschoßzone: in der Mitte, zwischen den beiden Treppenhäusern auf Null-Niveau, liegt das „gemeinschaftliche Herz“, in dem sich die Waschküche und der große Gartensalon mit direktem Austritt in den Garten befinden. Hier kann die Gartenernte im Rahmen von Festen und Nachbarschaftsinitiativen verarbeitet werden. In den beiden seitlichen Flügeln liegen halbgeschossig über dem EG die Wohnungen (Schutz der Privatheit durch erhöhte Lage), darunter halb eingegraben die Abstellräume (Einsparung beim Aushub).

SPLIT-LEVEL

Durch die Split-Level-Lösung wird die Frage des Wohnens im Erdgeschoß umgegangen: auch die untersten Wohnungen sind ein halbes Geschoß abgehoben und somit in ihrer Privatheit geschützt.

HOLZMODULBAUWEISE –
SCHNELL, PREISWERT UND WERTVOLL!

Die vorgeschlagene Holzmodulbauweise ermöglicht eine beeindruckende Bauzeitverkürzung, minimiert aufwändige
Schnittstellen zwischen Gewerken, und liegt mit den Baukosten unter der vorgegebenen Bruttokostenobergrenze.20 Module können in 20 Tagen – parallel zur Errichtung von Fundament und Stiegenhaus – gefertigt werden; ca. 6 Tage Montagezeit für 20 Module – ein Modul ist in ca. 2 Stunden aufgestellt und in 6 Stunden bezugsfertig. 1 Modul/LKW, ca. 12–15 Tonnen. Hersteller sind innerhalb eines Umkreises von 100–150 km verfügbar.

RANKBEGRÜNUNG ALS SICHTSCHUTZ

BegleitendePflanztröge und Rankelemente schirmen die Balkone untereinander ab.

VERTIKALITÄT

Die senkrechte Schalung betont die vertikale Wirkung der "hingestellten" Körper. Einfache französische Fenster gliedern die Fassade und unterstützen die Vertikalität.

MODELL

ENTLANG DES WEGES



Lage: Neu Ulm, Deutschland Projektformat: Realisierungswettbewerb mit Ideenteil als Einladungswettbewerb nach RPW 2013, MÜNSTERBLICKSTRASSE, 2./3. BA, NEU-ULM Projektstatus: in Planung Grösse: 4.874 m2 BGF: > 6.544 m2 Planungszeitraum: 2016 Projektdauer: 2 Monate Auftraggeber: NUWOG Fachplanner/innen: Werkraum Ingenieure ZT (Tragwerksplanung), TB Käferhaus GmbH (Haustechnik), Carla Lo (Landschaftsplanung) Mitarbeiter/innen: Lukas Brotzge, Nikolaus Rach, Paula Fernández San Marcos, Marta de las Heras Martínez, Ying-Chuan Chu, Bernhard Luthringshausen, Neda Afazel