Wie muss die Punktlandung von drei Hochhäusern aussehen, um einer Un-Gegend ein Stück Stadt einzupflanzen?

Auf einem als Parkplatz genützten Grundstück mit guter Anbindung an die U-Bahn soll ein Cluster aus drei Wohnhochhäusern mit insgesamt etwa 800 Wohnungen errichtet werden. In einem internationalen Wettbewerb wurden Konzepte für die Stellung und Form der Hochhäuser gesucht, aber auch für einen durchwegbaren Sockel, der die drei Türme zu einem Quartier zusammenfasst und den Stadtraum in den Cluster hineinzieht. Das Projekt wurde in der ersten Stufe des Wettbewerbs als Leitprojekt ausgewählt; in der zweiten, kooperativen Stufe waren das zweit- und drittgereihte Projekt in das Leitkonzept zu integrieren.


Das Projekt adressiert die 3 großen Herausforderungen des Wohnens in Hochhäusern: Mut zur Stadt bedeutet, den latenten Mehrwert des Hochhauses – seine Dichte – gleich mehrfach auf den Boden der Stadt zurück zu bringen. 1. URBANER MEHRWERT: öffentliche Räume für die Stadt 2. URBANER SOCKEL: Aktives Erdgeschoß und Nutzungsoffenheit 3. DAS GRÜNE DECK Raum für die Gemeinschaft

1. Urbaner Mehrwert: ÖFFENTLICHE RÄUME FÜR DIE STADT

Grundprinzip des Leitprojekts ist die Durchlässigkeit des Grundstücks: 4 Platzräume verbinden die umliegenden Straßen und laden zur Durchwegung ein.

2. URBANER SOCKEL: AKTIVES ERDGESCHOSS UND NUTZUNGSOFFENHEIT

Die vier Platzräume sind von einem dreigschoßigen Sockel gerahmt, auf dem die Türme angeordnet werden. Der Sockel besteht aus einer urbanen EG-Zone mit Geschäften, Gastronomie und Entwicklungsflächen und einem nutzungsoffenen 1. und 2. OG, das Raum für Wohnen und Arbeiten bietet (Raumhöhe 3,00 m). Der Sockel wird von einem Arkadengerüst komplettiert, das die Fahrradabstellplätze aufnimmt. Jeder Turm bietet eine mehrgeschoßige Lobby als adressbildendes Entree.

3. DAS GRÜNE DECK: RAUM FÜR DIE GEMEINSCHAFT

Im Erdgeschoß sind öffentliche Nutzungen untergebracht, die die Platzräume zur Stadt hin öffnen. Auf dem grünen Deck auf dem Dach des Sockels sind Gemeinschaftseinrichtungen konzentriert, die eine innere Urbanität der Wohnanlage produzieren und ihr einen zweiten Boden geben.

Die 4 Plätze – am Boden der Stadt

Der zentrale Festplatz und die dazu in Kontrast stehenden drei wilden Plätze, die als grünes Entree in die Lobbies der Hochhäuser führen, schaffen unverwechselbare Adressen für jedes Haus und das gesamte Stadtquartier.

3 TÜRME

Die drei Hochhäuser entwickeln sich unabhängig von einander über dem Sockel. Sie beginnen also erst 18 m über dem Stadtniveau – man ist also immer schon oben und kann die Umgebung überschauen.

OPTIMALE ORIENTIERUNG

Durch die Drehung der Türme gibt es keine reine Nordseite; alle Wohnungen sind nach Osten oder Westen orieniert und schauen aneinander vorbei.

300% FREIRAUM

Die Gesamtfläche des Grundstücks wird puzzleartig in die Höhe geschichtet, jeder Teil des Grundstücks wird ein Teil eines vertikal geschaffenen Landschaftraums, der durch die vertikalen Freiraumflächen der Fassadenstruktur – den Freiraummantel – ergänzt wird. Der Freiraum verdreifacht die Größe des Grundstücks.

HOCHHAUS-LOBBY

Blick durch die Lobby an der Modecenterstraße (Turm 2) auf den wilden Platz und den Festplatz im Hintergrund: Brücken führen vom Fahrradregal direkt zu den Liften.

DAS GRÜNE ENTREE AN DER MODECENTERSTRASSE

Blick durch den wilden Platz an der Modecenterstraße in Richtung Festplatz und Turm im Westen.

DER FESTPLATZ

Blick über den Festplatz in Richtung Platz an der Leopold-Böhm-Straße

BLICK NACH OSTEN, ENTLANG DER LEOPOLD-BÖHM-STRASSE

Die Arkade fasst den Platzraum und gibt dem Straßenraum Halt. Leicht zurückversetzt erheben sich die Hochhäuser darüber in die Höhe.

LEITPROJEKT: ADAPTIERUNG UND EINBETTUNG

Auf Basis des Leitprojekts von StudioVlayStreeruwitz wird in einer kooperativen Phase mit dem 2.- und 3.-gereihten Beiträgen von Rüdiger Lainer + Partner und BEHF Architekten ein gemeinsames Projekt erarbeitet. Der Sockel wird als Prinzip des Leitprojekts beibehalten: er bringt den Mehrwert der Höhe auf den Boden der Stadt zurück. Seine städtebauliche Rolle wird gestärkt und präzisiert.

ANEINANDER VORBEISCHAUEN: DER BLICK ZUM STEPHANSDOM

Entsprechend dem Leitprojekt wird jegliches Gegenüber von Fronten vermieden. Zudem wird die Benachteiligung der Nordwestorientierung (Lärm/weniger Sonnenlich) durch den Blick auf den Stephansdom, den jedes NW-orientierte Zimmer der drei Türme genießen kann, kompensiert.

3 CHARAKTERE

Während das Leitprojekt zwei selbstähnliche Türme vorschlug haben sich nun 3 spezifische „Charaktere“ entwickelt

PERSPEKTIVE VON DEN GASOMETERN RICHTUNG WESTEN / DÖBLERHOIFSTRASSE

Die drei Türme zeigen sich als Ensemble.

PERSPEKTIVE VON SÜDEN / ANNE FRANK GASSE, LEOPOLD-BÖHM-STRASSE

Die drei Türme zeigen sich als Ensemble.

Erhöhen der Durchlässigkeit

Der Platzraum zur Leopold-Böhmstraße wird geöffnet (Entfall des 3. Fahrradregals). Die Verbindung zwischen Gasometer und Panoramaweg/Neu Marx wird gestärkt, gleichzeitig öffnet sich der zentrale Platz stärker zur Umgebung.

Fassung durch Leitfigur - SOCKEL UND Arkade

Der 12 Meter hohe Sockel erhält eine „programmatische Arkade“. Sie bindet die Sockelgebäude zu einem Ensemble zusammen, ermöglicht die Verbindung sämtlicher grünen Decks und Gemeinschaftsräume auf dem Sockeldach und nimmt die notwendigen Fahrradabstellplätze in besonders attraktive Weise auf.

DIE PROGRAMMATISCHE ARKADE

Ein filigranes Stahlgerüst rahmt die Vorplätze und schließt sich sich rund um den zenralen Festplatz zu einer umlaufenden Arkade. Das Gerüst nimmt 2.400 Fahrradabstellplätze auf und bildet als durchgehende Struktur ein verbindendes Element für die drei Bauteile, sowohl programmatisch als auch gestalterisch.

DER BODEN DER STADT

Hochhauslobbies, Nahversorgung und Entwicklungsflächen im Erdgeschoß

MULTIFUNKTIONALER SOCKEL

Kindergarten, Gewerbe und Sonderwohnen im 1. und 2. Obergeschoß

FUGENGESCHOSS

Gründeck mit Gemeinschaftsräumen und Kindergarten (Nordturm) im 3. Obergeschoß

IN DEN TÜRMEN

Jeder Turm entwickelt ein spezifisches Wohnmilieu.

SILHOUETTE

Die Höhenabstufung strukturiert die drei Türme als Familie unterschiedlicher Charaktere.

DER RAUE TURM

Turm 1 (StudioVlayStreeruwitz) charakterisiert sich durch eine raue Fassade: Vor- und Rücksprünge bilden Balkone, Loggien und Wintergärten aus, die auch ganz oben noch Freiraumqaulität bieten.

DER GARTENMANTEL

Einfache Versprünge in regelmäßigem Raster (3,00 m) ermöglichen 3D-Vertikalität mit wenigen vorgefertigten Elementen > „kalt-gestricktes“ Gerüst ist günstig herzustellen (geringe bauphysikalische Anforderungen) > seitliche Öffnungen (Kiemen) – reagieren auf Witterungsbedingungen (Orientierung)

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Das Wohnen liegt als frei organisierbare Schicht zwischen Gartenmantel und Kernrinde. Der Bereich der Kernrinde kann je nach Bedarf aktiviert werden und erhöht die Vielfalt an möglichen Wohnungsgrößen.

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Kernrinde als Sauna/Wellnessbereich.

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Kernrinde als Gourmetzone mit Weinkeller.

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Kernrinde als Schrankraum.

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Kernrinde als Vorführraum.

MAXIMALE WOHNVIELFALT

Kernrinde als Fahrrad- und Kinderwagenraum – kompaktere Wohnungsgrößen.

TURM À LA CARTE! KOMPAKT UND LEISTBAR

TURM À LA CARTE! EFFIZIENT UND GROSSZÜGIG

TURM À LA CARTE! EXTRAVAGANT

DER PLATZ MIT ARKADE UND TURM BLICK RICHTUNG NORDEN, ENTLANG DER MODECENTERSTRASSE

DER RAUE TURM

Die glatte Oberfläche des rechteckigen Turms wird durch Einschnitte von übereinander liegenden Loggien nur minimal strukturiert. Um das einfache Volumen legt sich der „kaltgestrickte“ Mantel aus Loggien, Wintergärten und Balkonen und gibt dem Turm Maßstab und Textur. Der Freiraummantel skaliert die Vertikalität zu intimen Freiräumen, in denen sich unterschiedliche Wünsche ohne Exhibitionismus über vier Jahreszeiten hinweg artikulieren können.

Vertikale Freiräume:

Kaltes Gerüst (Stahl, Beton) mit transluzenten Flächen als Wind und Sonnenfilter (bedrucktes Glas bzw. Gewebe-/Netz-/Lochtextur)

WOHNVIELFALT LEISTBAR UND À LA CARTE KOMPAKT UND LEISTBAR

Kernrindenschicht für Allgemeinräume: Wohntiefe 6–6,50 Meter

WOHNVIELFALT LEISTBAR UND À LA CARTE EFFIZIENT UND GROSSZÜGIG

Kernrindenschicht für Nass- und Nebenräume: Wohntiefe 8–8,50 Meter

WOHNVIELFALT LEISTBAR UND À LA CARTE EXTRAVAGANT

Kernrindenschicht für spezielle Programme: Wohntiefe 8–8,50 Meter





Lage: Wien 1030, Österreich Projektformat: Nicht offener Realisierungswettbewerb MGC Plaza Projektstatus: in Umsetzung Grösse: 14.600 m2 BGF: > 16.000 m2 Planungszeitraum: 2014–2016 Auftraggeber: Stadt Wien MA21 Partner/innen: Rüdiger Lainer + Partner, BEHF Mitarbeiter/innen: Javier Figuerola, Julian Adrian Ruera, Tim Danner, Lukas Brotzge, Ruth Tortosa, Bernhard Angerer