Kann ein latent vorhandenes grünes Netzwerk zu einer Parallelwelt von atmosphärischen Verbindungen entwickelt werden, die unsere Vorstellung von Infrastruktur erneuert?

Knüpfwerk Atzgersdorf ist das Ergebnis eines Ideenfindungsprozesses, der im Rahmen einer interdisziplinären Klausurplanung mit ArchitektInnen, ExpertInnen für Raum- Verkehrs- und Freiraumplanung und der Stadt Wien als aktiv mitwirkendem Auftraggeber entwickelt wurde. Ziel war die Erstellung eines Handbuchs, mit dem sich der Stadtteil Atzgersdorf neu rahmen lässt, um seine Entwicklungsmöglichkeiten und Potentiale voll auszuschöpfen.


Knüpfwerk Atzgersdorf ist das Ergebnis eines Ideenfindungsprozesses, der im Rahmen einer interdisziplinären Klausurplanung entwickelt wurde. Vielmehr Ausgangspunkt als Resultat, zeigt die Arbeit Potenziale auf, die Planungs- und Entwicklungs­prozessen auslösen soll. Insbesondere arbeiten diese Potenziale mit vorhandenen, aber bisher nicht sichtbaren Qualitäten, um diese mit neuen Entwicklungs­bildern zu verknüpfen. Anstatt Gebäude und Volumen bietet das Knüpfwerk ein „atmo­sphärisches Gerüst“, das gleichzeitig strukturelle wie auch soziale und kulturelle Qualitäten adressiert. Den Entwicklungsbildern werden Prozessbilder zur Seite gestellt. Auf diese Weise unterstreicht die Arbeit ihre Rolle als Impulsgeber, als Herausforderung zum „Weiterbauen“. Wir wünschen uns, dass die Akteure in und rund um Atzgersdorf das Knüpfwerk als Ausgangspunkt für kommende Handlungsinitiativen aufnehmen. So ließe sich Atzgersdorf neu rahmen und kann als Stadtteil in Erscheinung treten, der seine Möglichkeiten voll ausschöpft.

ENTWICKLUNGSPOTENZIALE: AUFSPÜREN, ENTDECKEN, ERFINDEN

GRÜNRÄUME UND ENTWICKLUNGSFELDER

Ein struktureller Rahmen macht die versteckten Potenziale greifbar.

PROZESSSZENARIO UND AKTEURiNNEN

GRÜNRÄUME ALS VERBINDENDE ELEMENTE

Ein differenziertes Netz von Grünräumen bildet das ordnende Gerüst der der städtebaulichen Entwicklung. Die Planung von Landschaft und Freiraum ist ein vielversprechendes Instrument, das hinsichtlich Kontrolle und Bereitstellung von qualitätsvollen urbanen Räumen der Planung des Gebauten vorausgeht und ihr einen Rahmen gibt. Das Grün- und Freiraumnetz wird als robuste Grundstruktur eingesetzt –
planungsstrategisch die wirkungsvollste Antwort auf den fragmentierten und diffusen Stadtraum. Ein "Knüpfwerk" von longitudinalen und transversalen Freiraumbändern greift verdeckte Potentiale auf, indem es neue Freiräume mi bestehenden, jedoch fragmentierten Freiräumen zusammenführt. PROZESSSZENARIO GRÜNRÄUME

PROZESSSZENARIO GRÜNRÄUME

WEGE ALS AUFENHALTSRÄUME – INTEGRATION DES LIESINGBACHES

Die transversalen Grünräume unterstreichen die Wichtigkeit der Ost- West Verbindungen, nicht nur als Wegstrecken, sondern vor allem als Räume mit hoher Aufenhaltsqualität. Mit den transversalen Grünräumen wird vor allem das Erholungsgebiet des Liesingbaches maximal integriert.

DREIECKSPARK – VOM ISOLIERTEN GRÜNEN DREIECK ZUM GARTEN DER GÄSTE

Einbettung in Ost-West Verbindung (Liesingbach); Programmatische Aktivierung (Option Gastronomie in Bestandsgebäude)

STADTPARK – VON EINEM ISOLIERTEN, PRIVATEN PARK ZU EINEM TRANSVERSALEN ÖFFENTLICHEN RAUM

Öffnen des bestehenden Parks; Ausdehnung zu Unilever-Gründen; Verbinden der Bahnstrecke mit dem Liesingbach

AKTIVITÄTSBAND – VON EINER ENGEN ZUFAHRTSTRAßE ZU EINEM LEBENDIGEN SPORTSTREIFEN

Erholungs- und Freizeitprogramme verknüpfen sich mit dem soziokulturellen Nutzungspotenzial um die Sargfabrik und ermöglichen eine Synergie zwischen Bildungs-, Kultur- und Freizeitprogrammen. Verbreiterung der Walter-Jurmann-Gasse; Schaffen von Sportprogrammen als attraktiver Filter zwischen Nutzungen; Verknüpfen von Bahndamm mit Liesingbachtal; Aktivitätspuffer zwischen Gewerbe- und Wohnnutzungen

DER TEPPICH – VON EINER WENIG GENUTZTEN LANDSCHAFT ZU EINEM ATTRAKTIVEN ZWISCHENRAUM

Der Teppich bietet einen fruchtbaren Boden für bestehende und neue Entwicklungen. Er "versetzt" die Gebäude mitten ins Grüne: ein grüner Läufer, der vom Liesingbach bis zur Südbahn ausgelegt ist. Ziele: Verweben von drei Grünflächen zu einem Teppich; Pflanzeninseln, Häuserinseln und Campinginseln; Öffnen des Campingplatzes mittels eines kooperativen Nutzungsfindungsverfahrens; Revitalisierung vernachlässigter Grünfläche zwischen 1960er-Jahre Wohnbauten; Einbetten neuer Wohnbauentwicklung als Inseln in einem grünen Feld. 1. Wohnen im Park. Entlang der Scherbangasse kann angesichts des besonders hohe Entwicklungspotenzials Wohnungsbau entstehen. 2. Baumkronenmeer. Die Zwischenräume der bestehenden 1960er- Wohnanlage führen eine bisher ungeahnte WoQualitätz in das Wohnmilieu ein.

3. Öffnen – Campingplatz für Anrainer. Ein Nutzungsfinderverfahren stellt die mögliche Nutzungspotential zur Diskussion – gefragt sind Nutzungen, welche die Bespielung der Freiraumfläche intensivieren ohne sie zu schließen. 4. Übungs- und Experimentiergarten BOKU. Mögliche Zwischennutzung in Koexistenz mit dem Campingplatz.

TRANSVERSALES DORF – VON DISKONTINUIERLICHEN FLECKERLN ZU EINER ATTRAKTIVEN, URBANEN SEQUENZ

Ziele: Intensivieren dörflicher Urbanität durch Verbinden existierender Plätze und Parks; Vermittlung zwischen Verkehr und Stadt; Öffentliche Querung durch neue urbane Entwicklung; Freispielen der Breitenfurterstraße von Verkehr

LONGITUDINALE VERBINDUNGEN

Mit den Longitudinalen Verbindungen zu arbeiten bedeutet, deren strukturelles Potential zu adressieren: die Zugstrecke im Westen und der Liesingbach im Osten prägen das Zielgebiet.


ATZGERSDORFER ALLEE – VON SACKGASSEN ZU LEBHAFTEN ÜBERGÄNGEN

Die mehrfach unterbrochene Wiegelgasse wird als sanfte Allee eine neu Identität und bringt Leben in die Tiefe zwischenBahn und Breitenfurter Straße. Ziele: Schaffen eines wichtigen, internen Links; Etablieren zusätzlicher Zugangspunkte, die Dynamisierung der Entwicklung vorantreiben; Übergänge als Orte des Aufenthalts und Zusammentreffens; Einführen eines Filters zwischen unterschiedlichen Nutzungen; Kontinuierliches an- und abschwellen. A – Unterschiedliches An- und Abschwellen schafft einen abwechslungsreichen Hintergrund entlang der Allee B – Allee durchdringt Wohnteppich

ATZGERSDORFER BOULEVARD – VON EINER DIFFUSEN DURCHZUGSTRAßE ZU EINER ATTRAKTIVEN SEQUENZ VON STRAßENRÄUMEN

Der Straßenraum profitiert vom Dialog zwischen neuen Freiräumen und Verdichtungen. Er überzeugt in seiner Vielfalt als Alternative zum Korridorstraßenraum. Ziele: Verlängern bestehender Radwege; Etablieren einer Sequenz von offenen und geschlossenen Räumen; Initialisierung der Einführung einer Straßenbahn; Optimieren der Kreuzungspunkte in Relation zu Transversalen Grünzügen; Versöhnung einer verkehrsreichen Straße mit Urbanität des Aufenthalts

KAPILLARE – VOM TRAMPELPFAD ZUR WERTVOLLEN BINNENRAUM- ERSCHLIEßUNG

Spuren von Trampelpfaden auf dem Unilever-Areal werden als kleine Landschaftsschneisen mit Pufferfunktion interpretiert. Ziel ist eine sanfte Zäsur zwischen der Entwicklung am Boulevard und dem Wohnen am Bach.

LIESINGBACH-TAL – VON WENIGEN ZU VIELEN ZUGÄNGEN

Das bedeutsame Erholungsgebiet wird optimal mit Atzgersdorf verknüpft und integraler Bestandteil des neuen Netzes. Ziel ist das Stärken der vorhandenen Verbindungsqualität, das Ermöglichen transversaler Zugänglichkeit und das Etablieren kollektiven Wohnens im Dialog mit Bach und Tal.

RÄUME DER VERBINDUNG

Entsprechend dem Gesamtkonzept des „Knüfwerks“ werden die transversalen Verbindungen für Fuß- und Radwege erhöht. Gleichzeitig werden die longitudinalen Verbindungen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs und der sanften Mobilität aus- bzw. umgebaut. Im Bereich des historischen Kerns unterstreicht der Vorschlag einer Fair-Teilen-Zone die Wichtigkeit, Verkehrsräume als Räume urbanen Aufenthalts für unterschiedliche Ansprüche zu entwickeln.

PROZESSSZENARIEN SANFTE MOBILITÄT

ENTWICKLUNGFELDER

Inmitten der Freiräume des grünen Netzes Die Entwicklungsfelder profitieren vom strukturgebenden grünen Netz – jedes Feld grenzt an einen der zahlreichen Grünzüge, weist somit eine Grünlage auf. Im Sinne der angestrebten Nutzungsmischung und dem Aufgreifen vorhandener Potentiale werden nicht nur verschiedene Nutzungen, sondern auch verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten adressiert: Neubau- Transformations- und Konsolidierungsfelder.

WOHNWUNDER LIESING DIE GRÖßTE BANDBREITE VON WOHNMILIEUS IN WIEN

WOHNBAU NEU – KOMBINATION VON HORIZONTALER DICHTE MIT HOCHPUNKTEN

Die Felder für den Wohnungsbau profitieren von den Grünzügen und können mittels typologischer Intelligenz zu hochattraktiven Wohnadressen entwickelt werden. Ziele: Identifizieren von Gebieten zukünftiger Wohnbauentwicklung; Typologische Entwicklungen etablieren Lärmschutz; Lernen vom Dorf: horizontale Dichte als atmosphärisches Tool; Hochpunkte offerieren Aussicht, Fernblick und zusätzliche Konsolidierung.

PROZESSSZENARIEN FÜR NEUEN WOHNBAU

ATZGERSDORFER ZENTREN

Ziele: Schaffen eines kulturellen und sozialen Brennpunkts, welche die neuen Qualitäten Atzgersdorfs verankert; Stärken von Schulprogramme durch erweiterte Bildungsangebote; Anbieten sozialer Annehmlichkeiten in kollektiven Räumen für neue Wohnbauentwicklung; Verbindung des Brennpunkts mit den öffentlichen Programmen der longitudinalen Grünzügen; Dialog mit historischem Ortskern über Mischnutzungen; Dualität idyllisches Ambiente und modernes Milieu

PROZESSSZENARIEN ATZGERSDORFER ZENTREN



Lage: Wien 1230, Österreich Projektformat: Klausurplanungsverfahren (Organisation und Städtebau) Projektstatus: in Umsetzung Grösse: 20.000 m2 BGF: > 20.000 m2 Planungszeitraum: 2011–2012 Auftraggeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 21b Partner/innen: Herbert Buchner, Volkmar Pamer, Hans Emrich, Alice Grössinger, Andreas Käfer, Rüdiger Lainer, Volkmar Pamer, Heidi Pretterhofer, Dieter Spath, Bernd Vlay Mitarbeiter/innen: Manuel Singer