Wäre es nicht eine großartige Gelegenheit für den Städtebau, ein reines Industriegebiet zum durchmischten urbanen Quartier, befreit vom Wohnen, zu erklären?

Lab Liesing konkretisiert die im Standpunkt Liesing formulierten städtebaulichen Leitlinien und steht für „Entwicklungslabor urbane Arbeitslandschaft“. Untersucht wird das Gebiet um die Perfektastraße zwischen Lemböckgasse, Liesinger-Flur-Gasse,Talpagasse und Eitnergasse. Das Industriegebiet Liesing sucht nach neuen städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten, die im Rahmen eines dialogorientierten Verfahrens erarbeitet wurden.



LAGE UND LINIENFÜHRUNG

Neben der exzellenten Anbindung an das überregionale und städtische Straßen- und ÖV-Netz kann das Stärken der sanften Linien neue Werte schöpfen: Das Aufgreifen alter Gleiskörper und das Zusammenführen des Rad-/Fußwegenetzes mit den zahlreichen Liesinger Grünräumen geben dem Industriegebiet eine durchgrünte Adresse innerhalb einer fuss- und radläufig verknüpften Freizeit- und Erholungswelt, eingebettet zwischen Schneeberg, Wienerwaldund Alt-Erlaa.

Strassenräume ALS FREIRÄUME

Während die durchmischten bzw. sanfteren Mobilitäten des oberen Ls das Gesehen-Werden begünstigen (repräsentative Adressen mit potenziellen Aufenthaltsbereichen und aktiven EG-Nutzungen), adressiert der dominante Schwerverkehr des unteren Ls niederschwellige und informelle Projekte. Suggeriert wird eine spannende Polarisierung der Entwicklung: vom inormellen Low-Cost-Area zum repräsentativen Headquarter...

Perfekta-Boulevard: SEQUENZ

Entlang der Perfektastraße entwickelt sich eine Sequenz von öffentlichen Orten, die die Straße zum Boulevard machen.

Perfekta-Boulevard: MaterialITÄT

Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger- und RadfahrerInnen wird durch das Schaffen einer Abfolge von öffentlich zugänglichen Raumaufweitungen mit entsprechenden Oberflächen entlang des Boulevards erhöht.

PERFEKTA-BOULEVARD: Grüne Aufweitungen

Öffentlich zugängliche begrünte Freiräume schaffen eine Distanz zum Straßenraum und ein besonderes Entree. PKW- oder LKW-Stellplätze sowie Zäune sind hier nicht gewünscht.

DAS Rote Entree

Der Platz als skulpturaler und programmatischer Landmark schafft einen Dreh- und Angelpunk fürs gesamte Quartiert. Die nutzungsoffene Bewegungslandschaft ist lebendiger Platz, grüne Oase und attraktives Entree zu den Neu- Entwicklungen an der Lemböckgasse.

DAS Rote Entree

Die Gestaltung des Platzes leitet die Durchwegung und schafft neue Verbindungen.

DIE SANFTE Lemböckgasse

Nutzungsmischung (Wohnen im Osten, Arbeiten im Westen) geprägt, P&R Abstellstrip für U6 BenutzerInnen, Abwesenheit des LKW-Verkehrs und Neuntwicklungen im Gewerbebereich (Büros) machen die Lemböckgasse zur sanftesten Straße des Gebiets. Das Entwicklungspotenzial: Slow-Motion-Ader mit verstärktem Fuß- und Radverkehr, Freispielen der Parkplätze durch künftige Entwicklung von Parkhäusern am Perfekta-Boulevard in U-Bahnnähe.

DIE FREIGELEGTE GLEISTRASSE

Die vom Schwerverkehr geprägte Liesinger-Flur-Gasse ist Teil eines übergeordneten Grünzugs. Reizvoll ist der Kontrast zwischen Industriealltag und neuen Kulturen des Freiraums, die durch die Aktivierung der ehemaligen Gleistrasse initiiert werden.

KRUSTE UND BINNENRAUM: REPRÄSENTATIVE SCHALE / WEICHER KERN

Die naturgemäß hohe Tiefe der Grundstücke schafft tiefe Binnenräume hinter der sichtbaren „Kruste“ der Gebäudeentwicklung entlang der Straßen. Die Qualität dieser Binnenräume ist ihre Unsichtbarkeit: sie können sich ungeniert ihrer dienenden Funktion widmen und Räume für den Low-Cost-Alltag der Betriebe bereit stellen, die städtebaulich nicht definiert werden müssen. Ihr hoher Freiheitsgrad ist ihr eigentliches Potenzial. Sie können Reserveräume, Freiräume, Manipulationsflächen, Pufferzonen oder Räume für flexible Entwicklung von Bebauungen (temporär/informell in diversen Maßstäben) sein.

IM BINNENRAUM: DIE Grüne Fuge

Die einzigartige Nähe von Grünraum und Gewerbeflächen ermöglicht das Eintauchen in attraktive Freizeit- und Erholungs-Spots direkt vor dem Arbeitsplatz. Darüber hinaus erhält die Arbeitswelt ein wegweisendes Space-Plug-In: abwechslungsreiche Besprechungsräume
unter freiem Himmel.

IM BINNENRAUM: Grüne Fransen

Space-Plug-In für kreative Arbeitswelten: Grüne Fransen bieten verschieden gestaltete Freiräume für kurze, aber erholsame „Breaks“ der MitarbeiterInnen. z.B. Pausenräume, Urban Gardening etc.

Warum muss die Nutzungsdichte stets mit der Größe der Gebäude abnehmen?

Die Entwicklung der Gebäudestruktur lotet das Potenzial der großen Parzellentiefen aus, indem die Differenz zwischen Straßenfronten („repräsentative Kruste“) und Binnenbereichen („informelle Low-Cost-Area“) städtebaulich ausgespielt wird.

repräsentative Kruste / informelle Low-Cost Area

Der „dekorierte Schuppen“ als städtebauliches Prinzip gibt dem Lab Liesing maximale Entwicklungsfreiheit und schafft gleichzeitig einen einzigartigen Charakter.

repräsentative Kruste / informelle Low-Cost Area

Eine Zone von mehrgeschossigen Typologien mit attraktivem Erscheinungsbild entlang des Perfekta-Boulevards und der Westseite der Lemböckgasse umschließt die „weichen Kerne“ (Industrie- und Gewerbenutzung). die repräsentative Kruste an den Straßenfronten Perfekta-Boulevard und Lemböckgasse (=VERTIKAL) ermöglicht zwanglose Low-Cost-Projekte – 'weiche Kerne' mit hohem Freiheitsgrad im Hintergrund und an der Liesinger-Flur-Gasse (=HORIZONTAL).

repräsentative Kruste / informelle Low-Cost Area

Eine Zone von mehrgeschossigen Typologien mit attraktivem Erscheinungsbild entlang des Perfekta-Boulevards und der Westseite der Lemböckgasse umschließt die „weichen Kerne“ (Industrie- und Gewerbenutzung). die repräsentative Kruste an den Straßenfronten Perfekta-Boulevard und Lemböckgasse (=VERTIKAL) ermöglicht zwanglose Low-Cost-Projekte – 'weiche Kerne' mit hohem Freiheitsgrad im Hintergrund und an der Liesinger-Flur-Gasse (=HORIZONTAL).

repräsentative Kruste / VERTIKALE ENTWICKLUNG

Die Möglichkeiten für mehrgeschoßige Entwicklungen sind vielfältig und können dem Gebiet mittelfristig ein radikal neues Image, sowie eine Programmatik mit urbanem Flair geben. Die „repräsentative Kruste“, ergänzt den großen Auftakt des Roten Entrees und verwirklicht im Zusammenspiel mit den weichen Kernen das innovative Versprechen des LAB LIESING: Ein noch nie dagewesenes Milieu einer durchmischten Arbeitswelt, geprägt von vielfältiger Mobilität und attraktiven Freibereichen.



Lage: Wien 1230, Österreich Projektformat: interdisziplinärer Ideenworkshop Projektstatus: abgeschlossen Planungszeitraum: 2015–2016 Projektdauer: 8 Monate Auftraggeber: Stadt Wien MA21 Mitarbeiter/innen: Heike Vögele