Ist nicht gerade der Schwellenraum zwischen Masterplan-Quartier und Einfamilienhausteppich genau der Ort, an dem das Wohnen von seiner traurigen Beziehung zwischen Figur und Grund, befreit werden müsste?

Für das Quartier 7 des Stadtentwicklungsgebiets Reininghaus in Graz war ein städtebauliches Konzept zu erarbeiten, das 240 Wohnungen und einen Kindergarten rund um einen zentralen Quartierspark mit 3.000 m² anordnet. Prinzipiell soll das Quartier einen offenen, durchgrünten Charakter erhalten.


Gartenzimmerpark versöhnt den Mythos des Wohnens im Grünen mit der Notwendigkeit, Urbanität und damit mehr als Wohnen zu erzeugen. Über das gesamte Grundstück breitet sich ein dicker grüner Teppich aus. Sein charmantes, grünes Gewebe gibt dem Ort eine unverwechselbare Adresse: die auf ihm gestreuten Punkthäuser stehen in weichem Gartenplüsch, einem raumbildenden Knüpfwerk aus Wegen, grünen Zimmern, Plätzen und einer großen freien Mitte. Der Gartenzimmerpark ersetzt die problematische Figur-Grund Beziehung (= Häuser mit Zwischenraum) durch ein magisches Freiraummosaik, das aus dem synergetischen Zusammenspiel von Gebäude und Freiraum entsteht. Dieses Zusammenspiel schafft einen Ort mit paradoxen, aber umso nachhaltigeren städtebaulichen Qualitäten: Genius Loci einer urbanen Suburbanität.

PUNKTE UM DEN PARK

Eine offene Struktur von Punktgebäuden besetzt das Feld. In der Mitte rücken die Punkte auseinander und rahmen den zentralen Freiraum.

DER GRÜNE DICKE TEPPICH

Die spezifische, unter Augenhöhe liegende Dicke des Teppichs ist Schlüssel für den räumlichen „Coup“, der die Wahrnehmung des Freiraums verdoppelt: der Gartenzimmerpark ist zugleich fließend/offen und diskret/intim. An seinen urbanen Rändern lädt er die Passanten dazu ein, die attraktiven Plätze (urbane Zimmer) über die öffentlichen Zugänge zu betreten. Auf seinen inneren Wegen blicken die dort Spazierenden über den Teppich hinweg und erleben eine offene Landschaft. Die im Gewebe des Teppichs Sitzenden und Liegenden genießen hingegen ungestört ihre grünen Zimmer – das intime Gartenparadies.

BELEBUNG DURCH KONZENTRATION

Urbane Erdgeschoßnutzungen konzentrieren sich entlang der prominenten Straßenzüge. An den anderen Seiten wird die EG-Zone durch den Gartenteppich räumlich gefasst.

DIE ELEMENTE DES GARTENZIMMERPARKS

Beim Durchschreiten blickt man über den Gartenteppich hinweg auf eine offene Landschaft, Ort der Vielfalt und des Austausches. Im Sitzen und Liegen hingegen erlebt man introvertierte und intime Räume.

GARTENKONFIGURATIONEN

Gärten können direkt am Haus liegen, oder davon losgelöst in der Nachbarschaft. Die Organisation der Gartenkultur orientiert sich am Modell des Gartenvereins, der den Betrieb organisiert und die Kommunikation fördert.

NUTZUNG DER GARTENZIMMER

Den „Garten leben“ ermöglicht sowohl für sich zu sein, als auch zu teilen, tauschen und borgen. An diesem Ort zwischen suburbanem Raum und Stadt bildet der Große Gartenteppich den Genius Loci des öffentlichen Raums: die Idee einer offenen Landschaft, die durch die Summe vielfältiger individueller Einheiten gebildet wird. Ihre Intensität, Vielfalt und Rhythmen schaffen ein paradiesisches, vom Abstandsgrün befreites Wohnmilieu inmitten eines neuen Typus von Park: dem Gartenzimmer-Park – durchgrünt und urban zugleich!

TYPOLOGIEN

Die im offenen Punktraster gesetzten Haustypen bilden das bauliche Pendant zum Gartenzimmerpark. Ihre Höhe und Größe nimmt vom Nordosten nach Südwesten ab. Parallel dazu verändert sich ihr typologischer Charakter (Übergang von Geschoßbau zu Reihenhausbau).

WOHNEN IN DEN PUNKTEN

Die großen Punkte werden durch ein kompaktes Split-Level-Stiegenhaus erschlossen. Fast jede Wohnung hat eine Ecke und ist somit mehrfachorientiert. Die kleinen Punkte bieten Raum für vier zweigeschoßige Einheiten, die wie Reihenhäuser direkt von außen, durch den Eigengarten betreten werden.

NEBENEINANDER

Zusammen bilden die großen und kleinen Punkte ein lockeres Feld mit großzügigen Zwischenräumen.

DER BODEN

Unter den großen Punkten zieht sich der Freiraum hindurch: offene Eingangsbereiche und urbane Nutzungen schaffen Transparenz und Kontinuität. Die kleinen Punkte landen und haben durch den Eigengarten direkte Bodenhaftung.

OFFEN ABER GEFASST

Die lockere Struktur der Punkte erhält durch die Dichte des Gartenteppichs eine räumliche Fassung.

DER GARTENTEPPICH

Im Lageplan wird die Diversität und Nutzung der Gärten zum Fokus.

DER GARTENTEPPICH

Die Handzeichnung erlöst das Projekt von der Abstraktion des Plans und zeigt die verschiedenen Welten im GartenZimmerPark.

DER GARTENTEPPICH

Jeder Garten ist ein Universum. Statt Abstandsgrün wird der Zwischenraum zum dichten Patchwork der Individualität.



Lage: Graz, Österreich Projektformat: 2-stufiger, steiermarkweiter offener Wettbewerb Projektstatus: abgeschlossener Wettbewerb Grösse: 29.000 m2 BGF: > 23.196 m2 Planungszeitraum: 2016 Projektdauer: 2 Monate Auftraggeber: Ennstal / ENW Partner/innen: AKF (Carl Schläffer, Philipp Rudigier) Fachplanner/innen: YEWO Landscapes (Landschaftsarchitektur) Mitarbeiter/innen: Paula Fernandez,Paula Fernández San Marcos, Marta de las Heras Martínez, Martin Wild