Sind Baufelder nicht gerade dann am wunderbarsten, wenn deren städtebaulichen Prämissen in einem Moment schizoider Freude so unterminiert werden, dass sich der Blockrand in ein Mikroquartier verwandelt?

Das Eckgrundstück des neuen Wohnquartiers Siemensäcker bildet das Entree zur neuen Verbindungsstraße in Richtung Schnellbahn. Die Flächenwidmung basiert auf dem Ergebnis des kooperativen Verfahrens (siehe "der urbane Kilometer"). Auf einem urbanen Sockel mit bis zu drei Geschoßen sind zwei Hochpunkte zu errichten, mit 22 und 35 Meter Höhe. Die aktive Erdgeschoßzone nimmt an der Ecke mit einem Supermarkt ihren Anfang und lenkt über eine Reihe von Mikro-Einheiten in die ‚urbane Gasse’, in der sich die Aktivitäten konzentrieren sollen.



LUFTBILD

LAGEPLAN

Die städtebaulichen Vorgaben von zwei diagonal versetzten Punkt-Typen auf einem Sockelbauwerk mit erhöhter Erdgeschoßzone wurden in Hinblick auf die exponierte Nordostlage des Bauplatzes und die Herausforderung einer adressbildenden Wohnqualität vertieft.

Signifikant ist die typologische „Spaltung“ der beiden Hochpunkte in jeweils einen Punkt-Scheiben Typ. Diese Spaltung schafft nicht nur eine Verbesserung der Wohnqualität, sondern verleiht dem Wohnblock die Anmutung eines „mikro-urbanen Quartiers“

Im Sockel bilden die Nord- und Westfassade einen „urbanen Winkel“, der dem grünen „Wohnwinkel“ im Süden und Osten gegenübersteht. Der geplante Nahversorger an der L.-Padaurek-Straße (Verkaufsfläche ca. 600
m²), sowie Arbeitsstudios und der bauplatzübergreifende Gemeinschaftsraum im Osten aktivieren den „urbanen Winkel“. An dessen Eckpunkt (Kreuzung L.-Padaurekstraße/urbane Gasse) soll eine „Nahversorger Plus“-Nutzung (z.B. Bistro/Barista/Bäcker) mit Sitzgelegenheit einen besonderen Akzent für die Belebung des Quartiers setzen.

Die klar ablesbare Fuge an der urbanen Gasse bildet den Hauptzugang zum Hof, in dem die Wohnungseingänge situiert sind. Die EG-Nutzungen an der urbanen Gasse (Arbeitsstudios und bauplatzübergreifender Gemeinschaftsraum) haben auch einen Zugang zum Hof, eine Rückseitenbildung wird hier vermieden.

FREIRAUM EG

Die Freiraumgestaltung ist geprägt von den Erdgeschossnutzungen wie Tiefgarageneinfahrt, Supermarkt, Gemeinschaftsräumen und zwei Entrees die sich um den gemeinsamen Hof gruppieren. Der Freiraum ist nach Süden hin durchlässig und wird von dem gemeinsamen Durchgangsweg begrenzt. Zentrales Element ist der Baumhain der sich in einem Feld aus wassergebundener Decke befindet. Aufgrund der vielfältigen Eingangssituationen sowie Jugendraum und Fahrradboxen ist die primäre Funktion die attraktive Durchwegung.

GRUNDRISS EG

GRUNDRISS 1 OG

DACHGÄRTEN

Ergänzend zum Erdgeschoss wird eine gemeinschaftlich genutzte Dachterrasse
mit Kleinkinderspiel angeboten.
Inselartige, gestapelte Bereiche schaffen durch die Art der Bepflanzung eine essbare Landschaft mit diversen Wildkräutern und fruchttragenden Sträuchern. Die pixelartige Stapelung erfolgt durch ein Gerüst aus Holzrahmen, der zunehmend von den Pflanzen überwuchert wird und atmosphärisch sukzessive zu einem verwilderten, duftenden Garten wird. Die
Holzrahmen bieten zudem die Möglichkeit auch durch die Bewohner bepflanzt
und für Urban Gardening genutzt zu werden.

GRUNDRISS 2 OG

GRUNDRISS 3 OG

GRUNDRISS 4–5 OG




Lage: Wien 1210, Österreich Projektformat: geförderter Wohnbau, Direktauftrag Projektstatus: in Umsetzung Grösse: 6.170 m2 BGF: > 18.822 m2 Planungszeitraum: 2016–2018 Projektdauer: 18 Monate Auftraggeber: EGW Heimstätte Ges.m.b.H. Fachplanner/innen: D\D (Landschaftsplanung), Kainer KG (Gebäudetechnik), Röhrer Bauphysik (Brandschutz), Harrer & Harrer (Statik), zt-moser (Bauphysik) Mitarbeiter/innen: Javier Figuerola, Tim Danner, Heike Vögele, Osama Almughanni, Bernhard Angerer, Andrei Olaru, Nikolaus Rach, Katrin Künzler, Neda Afazel, Isabelle Züfle, Martin Wild, Lukas Brotzge, Bernhard Luthringshausen, Julie Dupont