Wie kann das zentrifugale Moment des Ortes zu einer magischen Mitte entwickelt werden?

Über dem unterirdischen Verteilerkreis der Südosttangente, im Süden Wiens, soll ein Stadtquartier errichtet werden. Der bisher periphere Verkehrsknoten des Verteilerkreises rückt durch den Bau einer U-Bahn-Station ins Zentrum: über der unterirdischen Infrastruktur soll eine Bebauung geplant werden, die große Parkhäuser, die Zentrale der ASFINAG, weitere Büroflächen und Sonderwohnformen zu einem kohärenten Stadtquartier als lokalem Subzentrum zusammenfügt.


Das Konzept der Freiräume basiert auf einem Freiraumtrajekt, der sich spiralförmig von der Stadtebene bis zur Parkkrone entwickelt und das gesamte Projekt dreidimensional durchzieht und organisiert. Diese Landschaftsspirale verkörpert das urbane Paradigma des 21. Jahrhunderts, für den das gesamte Projekt steht: die produktive Verschränkung von Urbanität, Infrastruktur und Freiraum. Der Freiraum agiert als panoramatisches Verbindungselement (die Panorama-Promenade), ökologische „Maschine“ (Mikroklimaanlage, Wasserfilter, Energieplantage) und atmosphärische Adresse.


KOHÄRENZ STATT FRAGMENTIERUNG

Die wertvolle Erkenntnis des kooperativen Verfahrens demonstriert, dass mit dem Programm und der Eigenlogik des Nicht-Orts selbst gearbeitet werden muss, um dem Zuviel an Fragmentierung Kohärenz geben: die Panoramaspirale führt Innen und Außen, Boden und Dach, Nutzung und Freiraum in einer einzigen umlaufenden Bewegung zusammen: der Verkehrsknoten als Genius Loci.

DER CAMPO

Die Spirale umgreift einen zentralen, lärmberuhigten Platz, den „Campo“. Sein Niveau ist in die bestehende Topografie umgebenden eingebettet, sodass er, komplementär zur Spirale, barrierefrei in alle Richtungen anschließt.

VERKNÜPFEN UND ÜBERBRÜCKEN

Mühelos gleitet die Spirale über die Hindernisse hinweg, verwebt die Räume der Insel untereinander, verknüpft sie selbstverständlich mit der Umgebung und inszeniert mit ihrem 860 Grad Panorama eine einzigartige, aus dem Ort selbst kommende Raumerfahrung.

ARCHÄOLOGIE

Die Spirale führt die einzigartige Archäologie des Orts – die sprichwörtlich vertikale Schichtung unterschiedlicher Mobiltätsformen – in die Zukunft: monofunktionale Verkehrsräume liegen im Untergrund, der Verkehrsraum des Stadtbodens wird für sanfte Mobilität aktiviert, während die Spirale eine landschafts- und gemeinschaftsbildende Mobilität aufnimmt.

GENIUS LOCI

Der Nicht-Ort des Verteilerkreises verräumlicht sich zum Genius Loci einer zukunftsweisenden Verschränkung von Mobilität, Freiraum und Nutzungen.


SYNTHESE VORHANDENER BEWEGUNG

Das Kreisen gegen den Uhrzeigersinn, das Queren, das ober- und unterirdische Kreuzenwerden in Bezug zur topografischen Situation präzise „ausgespielt“: die Spirale steigt kontrapunktisch gegen den Uhrzeigersinn zu dem nach Süden abfallenden Stadtboden mit einer kaum merklichen Steigung von 3% an. Gefälle und Startpunkt sind so aufeinander abgestimmt, dass die beiden Stege zur FH bzw. zur Generali Arena in der entsprechenden Höhe exakt abzweigen können. Auf diese Weise gelingt es, FH, Viola-Park und Stadion barrierefrei mit einer einzigen Geste zu verweben

Die Koppelung eines 10,5 Meter tiefen Innenrings mit der 17 Meter tiefen Spirale über Stege erlaubt eine Vielzahl an möglichen Grundrisstypen und Nutzungen, vom Parken über Arbeiten/soziale Infrastruktur bis zum Wohnen. Die Fuge zwischen Innenring und Spirale ermöglicht eine 2-seitige Belichtung und erhöht die Nutzungsvariabilität.






Lage: Wien 1100, Österreich Projektformat: geladener städtebaulicher Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ´´VERTEILERKREIS FAVORITEN´´ Projektstatus: abgeschlossen Grösse: 37.000 m2 BGF: > 60.000 m2 Planungszeitraum: 2010–2011 Auftraggeber: ASFINAG, Stadt Wien Partner/innen: Architekten Pernthaler ZT GmbH Fachplanner/innen: Vogt Landschaftsarchitektur, Werkraum Ingenieure (Tragwerksplanung) Mitarbeiter/innen: Julian Adrian Ruera, Ruth Tortosa Esquembre, Lukas Brotzge, Alice Bayandin